Das richtige europäische Taxi-Gefühl fehlt

Aachen. Im Mittelpunkt Europas, wo drei Länder sich begegnen und die Städte Lüttich, Maastricht und Aachen nur 30 Kilometer voneinander getrennt sind, will das europäische Taxigefühl noch nicht so richtig wachsen. Schafft die Europäische Taximesse im Jahr 2010 Abhilfe? Wir sollten im Rahmen der nächsten Europäischen Taximesse mal eine Podiumsdiskussion mit unseren Kollegen in den Nachbarländern organisieren”, meint Klaus Konrad, 1. Vorsitzender der Aachener Taxizentrale Taxi-Ruf: „Ich würde mich freuen, mich mal bei den Kollegen jenseits der Grenze umzuschauen.”„Prima Idee”, meinen Tessa Vallinga, von City Tax Kerkrade und Michel Brull von der Automotive Gruppe Süd in Maastricht. „Wir wären gerne bereit, unsere deutschen und belgischen Kollegen hier in den Betrieb einzuladen.” In Lüttich würde Abdel Belghazi, Präsident der Taxizentrale Unitax, sich gerne einer solchen Initiative anschließen: „Une très bonne idée, wir müssen aber die sprachlichen Hemmungen überwinden. Ich sehe auch Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit."

Ein lokales Gewerbe
Die professionelle Neugier ist da. Das europäische Gefühl noch nicht. Nicht nur Sprachprobleme erschweren den Kontakt – obwohl zwei Kinder Konrads sogar Niederländisch in der Schule gelernt haben. Es gibt auch einfachere Berührungsprobleme: Man kennt sich nicht, hat kaum mit den Auslandskollegen zu tun und das Taxigewerbe funktioniert „drüben“ halt mal anders. Vergleichsmöglichkeiten fehlen, obwohl manche Probleme, wie zum Beispiel die Spritpreise, und Lösungen, wie zum Beispiel die Tariferhöhungen, gleich oder zumindest ähnlich sind. Das Taxigewerbe bleibt nun mal ein typisch lokales Gewerbe: „Wir haben auch kaum Kontakt zu unseren Kollegen in Düren, Jülich oder Eschweiler”, sagt Konrad. „Die sind auch nicht weit weg, aber man trifft sich nicht. Man beschäftigt sich meist mit dem eigenen Gewerbe.” „Europa für Taxis gibt es nicht”, fügt Belghazi hinzu. „Bloß einige grenz­überschreitende Regeln.”Die drei Städte schicken ihre Taxen meist für besondere Veranstaltungen über die Grenze oder in Richtung Flughäfen – Brüssel in Belgien oder Köln und Düsseldorf in Deutschland sowie Schiphol Amsterdam in den Niederlanden. Die Kundschaft bevorzugt dabei im Allgemeinen die „eigenen“ Taxis für eine Fahrt über die Grenze. Belghazi sieht ab und zu holländische und deutsche Taxen in Lüttich. „Meist mit einem netten Namensschild. Konkurrenz ist das eigentlich nicht. Die anderen sind teurer als wir (siehe Seite 37 bis 39). Nur auf Messen fahren wir hin und zurück, aber jeder mit seinen eigenen Fahrgästen. Taxler aus Maastricht oder Aachen fragen unsere Kollegen meist nach dem Weg. Gesprochen wird dabei in  Englisch oder mit Händen und Füssen. Über die Tarife,
die Wagen und solche Sachen.” Was Konrad an den holländischen Fahrern immer auffällt ist, dass die immer gut angezogen sind, oft eine Art Uniform tragen, während viele deutsche Fahrer etwas legerer Taxi fahren. Dabei plädiert er – im Vergleich zu den blauen, weißen, schwarzen oder silbernen niederländischen Taxen – für Hellelfenbein. „Das ist so was wie ein Markenzeichen. Selbst wenn man kein Taxischild auf dem Dach hat, steigen die Leute ein.

Deutsche Konkurrenz

In Maastricht liegt Flandern auf der anderen Straßenseite und nicht Wallonien wie beim Kollegen Brull. Während die flämischen Kollegen aus Lanaken gerne mal über die Grenze kommen, hat man mit den wallonischen Kollegen in Lüttich fast nie zu tun. Die Kollegen in Maastricht und Kerkrade, eigentlich alle niederländischen Kollegen, fahren die höchsten Tarife. Im liberalisierten Nachbarland, wo jeder Taxiunternehmer überall im ganzen Land fahren darf, wählen die meisten Unternehmer den nationalen Höchsttarif: 7,50 Euro Grundgebühr inklusive der ersten zwei Kilometer, danach 2,20 Euro pro Kilometer. Wartezeiten gibt es in den Uhren der Holländer keine mehr. „Seit etwa drei Jahren machen uns die deutschen Kollegen sehr zu schaffen, die uns auf unserer Seite der Grenze die Arbeit wegnehmen”, meint Unternehmerin Vallinga. „Sie sind viel billiger – eine Stadtfahrt für 4 Euro statt unserer 7,50 Euro und mehr – und wenn eine Kneipe für einen Kunden zum Beispiel ein Taxi aus Herzogenrath bestellt, können wir nichts dagegen tun, so lange er mit seinem Kunden nach Deutschland fährt. Aber viele Unternehmer aus dem deutschen Grenzgebiet fahren regelmäßig in unserem Gebiet. ”Das bestätigt Konrad, der einen Kollegen kennt, der seinen Betrieb in Grenznähe zu Holland hat. Dieser fährt am Wochenende viele Fahrten aus einer deutschen Disco auch in das benachbarte Holland. Dort mangelt es oft an Taxis und eines seiner Taxis führte eine Fahrt in Holland aus. Nachdem der Wagen beschlagnahmt wurde und er gegen Zahlung von 1.700 Euro wieder freikam, wird nur noch Dienst nach Vorschrift gemacht.

Tarifunterschiede
Diese Strafen, oft in Höhe von 2.500 Euro, schrecken die deutschen Unternehmer nicht wirklich ab”, meint Vallinga. „Sie sind lächerlich. Für die Polizei ist es kein wichtiges Delikt und die Kontrolleure des niederländischen Verkehrsministeriums sind zu wenige, um dauernd zu kontrollieren.”

Verschiedene Aktivitäten
Der Maastrichter Taxiunternehmer kritisiert auch die Unmöglichkeit der freien Tarifgestaltung: „Sieht so Liberalisierung aus?“ Er nennt Schwierigkeiten bei der Lieferung der „Chauffeurspassen“ – das sind die P-Scheine, die zentral von Den Haag aus verschickt werden. Auch die Prüfungsanforderungen für den P-Schein für so genannte Kontraktfahrten (Schüler-, Patienten- und Behindertenbeförderung) empfindet er als zu hoch. In dieser Sparte versucht das niederländische Gewerbe in Deutschland ins Geschäft zu kommen. Die Holländer haben eine lange Erfahrung mit dieser Beförderungsart und verfügen über die notwendigen Mischflotten aus Taxen, Klein- und Reisebussen. „Bei diesen Kontrakten muss man immer automatisch jährlich die gestiegenen Betriebskosten per Index miteinbeziehen, sonst gibt es Probleme wie bei den Spritpreisen.” Die Kollegen in Lüttich kennen so etwas nicht: „Wir machen nur das normale Taxigeschäft, wofür wir nicht nur die normalen Steuern abgeben, sondern auch noch eine lokale Abgabe pro Jahr und pro Fahrzeug. Dafür bekommen wir von der nicht gerade taxifreundlichen Stadt Lüttich noch nicht mal die Nutzung der Busspuren erlaubt!” In Aachen dagegen fahren Taxen sogar Linien-Ersatzverkehr. Nicht nur Sprit, sondern auch die Umwelt ist ein gemeinsames Thema. Während man in Maastricht noch überlegt, fahren in Aachen schon zehn Erdgas-Taxen und in Lüttich zumindest ein Toyota Prius Hybrid.


Wim Faber

 
zu drei Unternehmensportraits aus Aachen, Lüttich und Maastricht