BZP-Mitgliederversammlung und Europäische Taximesse in Köln: die neue Image-Kampagne „verlässlich ist modern“ und Unsicherheiten um den Fiskaltaxameter prägen die gewerbepolitischen Diskussionen. Die Europäische Taximesse unterstreicht mit hohen Besucherzahlen wieder ihre Rolle als das Hauptevent des internationalen Taxigewerbes.

Fotos von der Taximesse 2016:  Halle  Saal

Auch in diesem November war die Domstadt Köln wieder DER Mittel- und Treffpunkt des deutschen und internationalen Taxigewerbes. Die im Anschluss an die Mitgliederversammlung des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes e.V. (BZP) am 4.11.2016 eröffnete Europäische Taximesse mit dem Motto „TAXI - Anytime! Anywhere!“ konnte wieder sehr gute Besucherzahlen aus dem In- und Ausland und hervorragend besuchte Begleitveranstaltungen verzeichnen. Damit wurde nicht nur ihre Rolle als weltweit größte Messe für das Taxigewerbe, sondern auch als herausragender Ort für gewerbepolitische Diskussionen unterstrichen.

Auf der BZP-Mitgliederversammlung am 3.11.2016 fanden zunächst im internen Teil Wahlen zum Vorstand statt. Dabei gab es im Präsidium des Bundesverbandes einen Wechsel: Dietmar Schmidt verzichtete im Vorfeld auf eine weitere Kandidatur, an seiner Stelle wird jetzt mit Hermann Waldner erneut ein Berliner Gewerbevertreter mit an der Spitze des BZP stehen. Hermann Waldner ist Geschäftsführer der Taxi Berlin TZB GmbH mit über 6.500 in der Hauptstadt angeschlossenen Taxis und Gründer der international aufgestellten App „taxi.eu“. Der Chemnitzer Taxiunternehmer Wolfgang Oertel wurde einstimmig als BZP-Vorstand bestätigt.

Im öffentlichen Teil konnte Präsident Müller in seinem gewerbepolitischen Bericht vermelden, dass es hinsichtlich des neuen Eichrechts zumindest etwas Bewegung gibt. Die „Arbeitsgemeinschaft Mess- und Eichwesen“ habe sich im Rahmen ihrer Bemühungen um eine einheitliche Handhabung in allen Bundesländern darauf verständigt, dass beim Einbau von neuen (Fiskal-)Taxametern in allen bestehenden Taxis bzw. Mietwagen eine Eichung grundsätzlich ausreicht und keine erneute Konformitätsprüfung erforderlich ist.

Durch die mindestlohnbedingten, deutlichen Tariferhöhungen sei es teilweise regional zu spürbaren Auftragsrückgängen gekommen, insbesondere im ländlichen Bereich werde das Taxigewerbe immer stärker zurückgedrängt. Mit dem Mindestlohn sei eine 24/7-Bedienung wirtschaftlich kaum noch darstellbar. So sei es gerade auf dem Land sinnvoll und notwendig, dass Unternehmer ihre Vorbehalte überwinden, neue Wege beschreiten und mit den Kollegen vor Ort sinnvolle Kooperationen eingehen.

Die Unternehmerschaft sei weiterhin stark verunsichert, wie die Messgeräte-Richtlinie und verstärkte steuerrechtliche Aufzeichnungspflichten umzusetzen sind. Trotz jahrelanger Überzeugungsarbeit und ständigem Einfordern einer eindeutigen Regelung des Komplexes Fiskaltaxameter unter Einschluss des Mietwagens bestehe weiter eine Hängepartie zwischen Bundesrat und Bundesregierung, die Umsetzung der BZP-Forderungen sei weiterhin fraglich. Während die Bundesregierung mauere, seien Bundesrat und Länder auf Seiten des Gewerbes und hätten sich dessen Forderungen zu Eigen gemacht. Mit der von einigen Finanzbehörden zum Jahresbeginn 2017 angekündigten Umsetzung des BMF-Schreibens zur Aufbewahrung digitaler Unterlagen bei Bargeschäften vom 26.11.2010 werden wahrscheinlich Fakten geschaffen, auch ohne dass dafür eine adäquate Rechtsgrundlage besteht.

Im Hinblick auf die Bundestagswahl im Herbst 2017 werde der BZP seine politische Arbeit deutlich intensivieren. Klar die Aussage fast aller politischen Richtungen, dass beim Ordnungsrahmen etwas passiert. Man müsse die Politik aber davon abbringen, Experimente zugunsten digitaler Eintagsfliegen durchzuführen. Auch die neuen, digitalen Herausforderer könnten innerhalb des bestehenden Ordnungsrahmens agieren. Das PBefG selber sei zwar alt, jedoch laufend modernisiert worden. Mit dem C-Netz, der digitalen Vereinigung der CDU, habe man mit einem Treffen am 30.06.2016 hierzu einen sehr intensiven und offenen Austausch eingeleitet, der fortgesetzt wird. Einige sehr stark in Richtung Deregulierung tendierende Positionen des C-Netzes sollen jetzt daraufhin überprüft werden. Man habe auch dort klarmachen können, dass sich das Gewerbe keineswegs verstecken muss und man auf seine Leistungen durchaus stolz sein kann. Bei der öffentlichen Wahrnehmung des Gewerbes habe der BZP mit guter Pressearbeit und wachsender Präsenz in den sozialen Medien große Fortschritte erzielt. Nach Twitter sei man unter „BZPorg“ mittlerweile auch bei Facebook und Instagram angekommen und erfreue sich auch hier zunehmender Resonanz. Für die optimale politische Positionierung für die Wahlen habe man sich der Dienste einer professionellen Strategieberatung bedient, mit der man eine PR-Kampagne entwickelt, die erstmals am auch von Politikern hervorragend besuchten Parlamentarischen Abend vorgestellt wurde und dort sehr gute Resonanz fand.

Kajo Wasserhövel von der Strategieberatung Elephantlogic stellte dann die Kampagne mit dem Claim „verlässlich ist modern“ vor. Vor dem Hintergrund wandelnder Mobilitätsbedürfnisse mit Autoverzicht in den Ballungsräumen, komplexen Anforderungen von berufstätigen Eltern und einer alternden Gesellschaft vor allen Dingen im ländlichen Raum biete die moderne Technik einfache Kommunikation zwischen Anbietern und Kunden, weshalb alle Parteien die Forderung nach innovativen Mobilitätskonzepten erheben. Die Branche stehe deshalb mit im Fokus einer massiven Diskussion über Mobilität, je nach Parteicouleur mit unterschiedlichen Hauptmerkpunkten. Gerade jüngere Abgeordnete stellten die Regulierung in Frage und seien für eine Gesetzesänderung offen, sofern Sicherheit, Beförderungspflicht und Versorgung sichergestellt werden. Zwar wurde den ersten Versuchen von Uber und Anderen, mit illegalen Methoden den Markt zu erobern, ein Riegel vorgeschoben. Jetzt wollten diese Wettbewerber aber die Spielregeln selber ändern, um ihr Geschäftsmodell legal anbieten zu können. Dazu gehörten die Öffnung des PBefG, Abschaffung der Rückkehrpflicht für Mietwagen sowie höhere Vergütungsmöglichkeiten für sogenannte private Mitfahrten. Unter dem Deckmantel der Modernisierung des PBefG solle dem Gewerbe der Boden unter den Füßen weggezogen werden. Um der aufwändigen Presse- und Lobbyarbeit dieser extrem finanzstarken neuen Wettbewerber etwas entgegenzusetzen, habe man die Kampagne „verlässlich ist modern“ entwickelt. Dabei betone man die auf den gesetzlichen Rahmenbedingungen beruhenden Stärken des Gewerbes, statt öffentlich zu viel über die Konkurrenz zu reden. Das Gewerbe müsse sich als Partner und Mitgestalter für innovative Mobilitätsangebote präsentieren und der Politik entsprechende Angebote machen. Wichtig sei auch die Forderung, dass die gleichen fairen Spielregeln für alle Dienstleister und Vermittler gelten müssen. Gleichzeitig sei deutlich zu machen, dass bei Aufgabe der Rechte und Pflichten genau die Verlässlichkeit auf der Strecke bleibt, die die Kunden des Gewerbes gerade so schätzen – deshalb auch der Kampagnen-Claim.

Dazu gehöre auch eine entsprechende Story mit fünf Punkten: Die Stärken des Gewerbes seien Verlässlichkeit, Sicherheit und gute Arbeitsplätze. Die Modernität drücke sich aus in der Nutzung neuer Antriebstechnik und Kommunikationsformen. Anspruch des Gewerbes sei, dass der Kunde im Mittelpunkt steht und nicht der schnelle Profit. Die Forderung des Gewerbes laute, dass gleiche Regeln für alle Dienstleister und Vermittler gelten. Das Angebot an die Politik laute, dass das Gewerbe innovative Mobilitätsangebote mitgestaltet und auch in Zukunft Sicherheit, Verlässlichkeit und gute Arbeitsplätze bietet. Dabei müsse das Gewerbe selber als glaubwürdigster Absender der Kampagne mit einer Stimme sprechen und die gemeinsame Story erzählen – vom Fahrer bis zum Verband. Denn Politiker und Meinungsmacher seien überproportional häufig Taxifahrgäste. Deshalb werde die Kampagne auch mit echten Taxifahrerinnen und Taxifahrern umgesetzt, die stolz auf ihre Arbeit sind und gerne darüber sprechen. Dabei würden Werbemittel eingesetzt, die die ganze Branche nutzen kann, vom Fahrer bis hin zu den Taxizentralen und den Verbänden. Nähere Informationen zu den Werbemitteln für Interessenten gebe es zeitnah auf der Kampagnen-Webseite www.verlaesslich-ist-modern.taxi.

Die von den Delegierten sehr positiv aufgenommene Kampagne wird jetzt weiterentwickelt und weitergetragen. Auch in regionalen Workshops, wo diese gemeinsam mit der Telekom-Initiative „Digitalisierung.Einfach.Machen“ dem Gewerbe näher gebracht werden soll. Das Konzept hierzu präsentierte Nicolaus Hansen von der Deutschen Telekom und kündigte die ersten Veranstaltungen für das Frühjahr 2017 an.

Präsident Müller beendete dann die Sitzung mit seinem herzlichen Dank an die Sponsoren und Veranstalter der begleitenden Rahmenveranstaltungen und Events, insbesondere Mercedes-Benz und Volkswagen für deren eigenen Abendveranstaltungen, der Signal Iduna/Vdk sowie Citroën, Hale, Ford-Fiegl, Deutsche Telekom, weiter Kienzle Argo Taxi International und Toyota.

Bereits im Vorfeld konnte die Europäische Taximesse am 4. und 5. November einen Rekord vermelden, erstmals war die Messehalle 4.1 komplett bis auf den letzten Stand ausverkauft. Bereits am Freitag war der Besuch sehr gut, am Samstag war dann richtig „Full House“. Insgesamt 14.000 Besucher nahmen die Angebote von 120 Ausstellern aus 19 Nationen persönlich in Augenschein, rund ein Viertel davon kam wieder aus dem Ausland.

Die angebotene Bandbreite an Produkten und Dienstleistungen war wieder enorm. Besonderen Zulauf erhielten naturgemäß die Fahrzeughersteller, wo der traditionelle Hauptlieferant Mercedes die neue E-Klasse „Das Taxi“ als Limousine und Kombi zeigte. Bei Volkswagen feierte der Passat GTE als erstes Hybrid-Taxi der Wolfsburger Weltpremiere. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um NOx und drohende Innenstadtfahrverbote für Dieselfahrzeuge waren auch die Alternativen zum Selbstzünder von besonderem Interesse, Nissan präsentierte seine E-Fahrzeuge Leaf und E-NV 200, Toyota seine umfangreiche Hybrid-Palette mit dem Hauptzugpferd Prius. VW Nutzfahrzeuge zeigte den aktualisierten Caddy Maxi als Erdgasfahrzeug; Opel, Citroën, Ford, Seat, Skoda, Fiat und sogar Alfa Romeo fuhren ihre neuesten Modelle im Taxidress auf. Die wieder zahlreich vertretenen behindertengerechten Umbauten diverser Anbieter zeigten deutlich auf, wo die Zukunftsmärkte liegen. Anbieter von Fiskaltaxameter-Systemen und Vermittlungslösungen erfreuten sich in diesem Jahr ganz besonderer Resonanz.

Auch der BZP-Messestand war wieder ein zentraler Mittelpunkt der Messe. Delegierte, Ausschussmitglieder und das Messe-Team des Bundesverbandes kamen keinen Augenblick zu Ruhe und standen unzähligen Gewerbevertretern aus dem In- und Ausland mit Auskunft, Rat und Tat zur Verfügung. Über 2.500 Umhängetaschen mit dem Kampagnenslogan „verlässlich ist modern“ und Infomaterial gingen über die Theken. Die Besucherin mit der vermutlich weitesten Anreise war übrigens aus Kuala Lumpur. Ihr Hauptinteresse galt der Schwarzkonkurrenz, die dem Gewerbe auch in Malaysia mit Gesetzesignoranz sehr ernste Probleme bereitet. Unsere Empfehlung dazu gab es direkt am Stand daneben von der International Road Transport Union (IRU): UpTop, das weltweit mit über 500.000 Autos am schnellsten wachsende, erfolgreiche Netzwerk der legal operierenden Taxi-Industrie.

Bei der Podiumsdiskussion am Messe-Freitag beleuchtete Präsident Müller aktuelle gewerbepolitische Themen. Der internationale Anspruch der ETM wurde auch durch das inzwischen 7. internationale Taxiforum der IRU am Samstagvormittag unterstrichen. Rund 400 Teilnehmer befassten sich mit den Haupttrends für den weltweiten Marktzugang, grünen Taxis und diskutierten auch über die Frage, welche Taxis das Gewerbe sich in den Jahren 2030 und 2050 wünscht.

Bei der BZP-Abschlusskundgebung am Samstagnachmittag begrüßte WDR-Moderator Tom Hegemann dann die Bundestagsabgeordneten Michael Donth (CDU), Arno Klare (SPD), Sabine Leidig (Die Linke) und Valerie Wilms (Bündnis 90/Grüne) zu einer Podiumsdiskussion mit Präsident Müller vor gut 5.000 Zuschauern. Die Volksvertreter zeigten gegenüber den mutmaßlichen Verheißungen der Sharing Economy keine Blauäugigkeit. So wurde ins Feld geführt, dass diese auch die Vernichtung gesicherter und qualifizierter Arbeitsplätze im Austausch zu prekärer Beschäftigung bedeuten kann. Gleichwohl sprachen sich die Verkehrspolitiker für eine Reform des PBefG, allerdings mit Augenmaß aus. Die berechtigten Interessen des Taxigewerbes müssten dabei adäquat im Auge behalten werden. BZP-Präsident Müller betonte die jahrzehntelang gewachsene Kompetenz des Gewerbes, über seine Zentralen Verkehre zusammenzuführen. Gerade im ländlichen Bereich organisiere man professionell Sammelverkehre, hier brauche man künftig mehr und nicht weniger Gestaltungsspielraum. Statt über eine noch stärkere Zurückdrängung der Eigenwirtschaftlichkeit zu diskutieren, sollte das Gewerbe bei Ausschreibungen von Verkehrsleistungen der öffentlichen Hand einbezogen werden.

Auf www.bzp.org finden Sie Videoberichte über die Kölner Veranstaltungen. Ach ja, da war ja noch was: der Tombola-Hauptpreis, das von der Daimler AG gestiftete Mercedes E 200 d „Das Taxi“, ging diesmal nach Niedersachsen, der Kollege Gunnar Kallinich aus Auhagen war der Glückliche. So glücklich, dass er gleich spontan 300 Euro für die Taxistiftung Deutschland spendete.

Frederik Wilhelmsmeyer